«Dieser Job bringt mich weiter»
Vor vier Jahren kam Nonna Laptiieva aus der Ukraine in die Ostschweiz. Nach mehreren Zwischenstationen und einer zusätzlichen Ausbildung ist die gelernte Massagetherapeutin nun als Pflegehelferin in der GHG Maurini tätig. Sie setzt sich mit Hingabe fürs Wohlergehen der ihr anvertrauten Menschen ein.
Sich engagieren und die Sprache lernen: Das bedeutet Nonna Laptiieva sehr viel. Ihr Beruf bietet dafür zahlreiche lebensnahe Gelegenheiten.
Nonna, aus welchem Grund bist du von der Ukraine in die Schweiz gekommen?
Der Auslöser dafür war, dass Russland die Ukraine im Februar 2022 angegriffen hat. Der Krieg hat mein Leben in der Ukraine, in meiner Heimatstadt Odessa, völlig umgekrempelt und zerstört. Mit meinem Sohn im Teenageralter flüchtete ich nach wenigen Wochen vor der Bombardierung. Dass meine Mutter und meine Schwester schon seit Längerem in der Schweiz leben, erleichterte uns die Ausreise. Aber alle anderen Angehörigen und auch den grössten Teil unseres Eigentums mussten wir zurücklassen.
Wie ist eure Ankunft und die Suche nach einer neuen Perspektive verlaufen?
Ich setzte sogleich alles daran, ein neues Leben aufzubauen. In der Schweiz erhielten wir den Schutzstatus S. Das bedeutet, dass ich schon nach kurzer Zeit eine Arbeitsbewilligung erhielt. Aber am Anfang war es überhaupt nicht leicht. Auf meine Bewerbungen bekam ich viele Absagen, als Begründung wurden die mangelnden Sprachkenntnisse und der Schutzstatus angegeben. Umso mehr freute ich mich darüber, dass mir die GHG Maurini ein Praktikum ermöglichte, damit ich meine Ausbildung als Pflegehelferin abschliessen konnte. Ich erfuhr von der Institution sowie vom ganzen Team viel Unterstützung, was mir den Einstieg in den Arbeitsalltag wirklich erleichterte.
Warum hast du dich für eine Tätigkeit in der Pflege entschieden?
Ich war längere Zeit mit Begeisterung als Massagetherapeutin tätig und habe ursprünglich Schneiderin gelernt. Doch beide Abschlüsse, die ich in der Ukraine gemacht habe, sind in der Schweiz nicht anerkannt. Der Lehrgang für Pflegehelfende, den das Schweizerische Rote Kreuz anbietet, war für mich eine passende Lösung. Schon als Massagetherapeutin gefiel mir der Kontakt zu Menschen und dass ich ihnen helfen konnte. Das ist nun im Bereich Pflege ganz ähnlich.
In der GHG Maurini arbeitest du vorwiegend mit älteren Menschen. Was gefällt dir daran?
Als Kind hatte ich eine sehr gute Beziehung zu meinen Grosseltern. Ich liebte sie, und sie liebten mich. Nun ist es so, als ob ich ganz viele Omas und Opas hätte, denen ich dieses Gefühl weitergeben kann. Bei einzelnen Personen hier in der GHG Maurini erkenne ich gewisse Eigenschaften meiner Grosseltern wieder.
Nonna Laptiieva hat in der Schweiz nicht nur eine neue Sprache, sondern auch einen neuen Beruf kennen und schätzen gelernt.
Wie hast du es erlebt, in der Schweiz nicht nur neue Menschen, sondern auch ein fremdes Land näher kennenzulernen?
Zu Beginn war ich völlig überrascht vom Sozialsystem. Ich finde, dass es sehr grosszügig ist. Mein Sohn und ich haben finanzielle und materielle Unterstützung erhalten, und das auf eine Weise, die ich nicht kannte. Wenn ich die Bewohnerinnen und Bewohner in der GHG Maurini sehe, bin ich ihnen sehr dankbar dafür, dass sie ein System aufgebaut haben, das so gut funktioniert. Ausserdem sind die Ruhe und Schönheit der Schweiz nach den schrecklichen Erlebnissen im Krieg eine unglaubliche Wohltat. Ich bin froh, dass ich jetzt mit meinem Sohn in Sicherheit leben kann.
Seit wann lernst du Deutsch?
Mit dem Sprachunterricht in der GHG Maurini habe ich im Februar 2025 angefangen, als ich meine Stelle antrat. Zuvor war ich in einem anderen Deutschkurs. Dort habe ich die Grundkenntnisse erworben und mit Niveau B1 abgeschlossen. Doch dieser Lehrgang war inhaltlich sehr allgemein aufgebaut. Spezielle Begriffe, die direkt mit meiner Arbeit zu tun haben, lerne ich teilweise erst jetzt. Und auch die Grammatik der deutschen Sprache hat es in sich. Sie ist anders als im Ukrainischen, wo wir beispielsweise keine Artikel kennen.
Welche Wünsche hast du für die Zukunft?
Ich möchte mein Deutsch verbessern, damit ich mir weitere berufliche Ziele setzen kann. Vor allem aber wünsche ich mir, dass meine Familie gesund bleibt und das Leben geniessen kann. Ein weiterer Wunsch wäre, dass der Krieg in meinem Land ein Ende findet und die Menschen auf der ganzen Welt in Frieden leben können.