«Es braucht Überzeugungsarbeit»
April 2026 – In der Wintersession 2025 verabschiedete der St.Galler Kantonsrat ein Massnahmenpaket zur Entlastung des Staatshaushalts. Die GHG hatte sich im Vorfeld gegen Sparübungen auf dem Rücken ihrer rund 2000 Klientinnen und Klienten gewehrt. Patrik Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung, erklärt, was die Massnahmen konkret für die GHG und ihre Arbeit bedeuten.
Patrik Müller, spürt die GHG bereits Auswirkungen der vom Kantonsrat beschlossenen Massnahmen?
So schnell noch nicht. Gewisse Neuerungen – zum Beispiel, dass man den Teuerungsausgleich nicht gewährt – werden einfach Schritt für Schritt einschneidender. Wir spüren aber schon länger einen starken Kostendruck. Das war bereits ohne diese Sparmassnahmen so. Zugleich steigen die Löhne vor allem bei Fachspezialistinnen und -spezialisten seit Jahren kontinuierlich an, weil der Markt ausgetrocknet ist. Das wird auch im Rechnungsergebnis 2025 sichtbar werden.
Für Patrik Müller ist entscheidend, dass die Qualität der Dienstleistungen und die Mitarbeitenden der GHG nicht unter Sparmassnahmen leiden.
Wie geht die GHG damit um?
Einerseits müssen wir immer konsequent prüfen, was wir für unseren Kernauftrag unbedingt haben und machen müssen. Einfach beim Personal zu sparen, um kurzfristig die Rechnung zu entlasten, wäre der falsche Weg. Anderseits treffen wir Massnahmen auf der Einnahmenseite. Für unser – weitherum einzigartiges –
gerontopsychiatrisches Angebot im Haus Röteli der GHG Rosenberg mussten wir die Tarife erhöhen. Die Ergänzungsleistungs-Ansätze sind zu tief, um die Kosten unserer Leistungen zu decken. Dieselbe Situation haben wir in der Physiotherapie. Auch hier kämpfen wir seit Jahren für höhere Tarife. Schliesslich optimieren wir in jenen Bereichen, die wir selbst direkt beeinflussen können. Aktuell arbeiten wir daran, das GHG St.Galler Brockenhaus neu zu positionieren, und schaffen dort zusätzlich neue Integrationsarbeitsplätze.
«Wir müssen nicht Gewinn machen, aber die Kosten decken.»
Patrik Müller,
Vorsitzender der Geschäftsleitung
Was heisst das für die Klientinnen und Klienten der GHG?
Zumindest kurzfristig spüren sie möglichst nichts von den Massnahmen. Wir haben sehr unterschiedliche Klientinnen und Klienten. In der Kita beispielsweise bauen wir mit der Einführung von KitaPLUS für Kinder mit einer Beeinträchtigung sogar aus. Im Bereich Sonderschulen sind wir dankbar, dass sich der Kanton als Auftraggeber bewusst ist: Wir müssen die Kosten für unsere Leistungen decken. Schwieriger ist es im Bereich Behinderung. Die Tarife in der Tagesstruktur mit Lohn sind nicht kostendeckend. Für diese Unterfinanzierung müssen wir Lösungen finden. Eine könnte sein, die Anzahl der Plätze zu reduzieren. Bisher müssen wir diese innerhalb des Bereichs quersubventionieren. Im Bereich Alter sind bei Klientinnen und Klienten, die ihren Aufenthalt nicht finanzieren können, die Gemeinden verpflichtet, den Rest zu übernehmen. Es zahlt also dann auch die öffentliche Hand. Entscheidend ist immer und bei allem: Die Qualität darf nicht leiden, und wir müssen unsere Mitarbeitenden schützen.
Im Herbst vor der Debatte im Kantonsrat sagten Sie: «Wir reden wieder über Doppelzimmer.» Was meinten Sie damit?
Ich habe mich dabei auf den Bereich Alter bezogen. Es bleibt eine Herausforderung für alle Heime, dass die Ergänzungsleistungen nicht der Teuerung angepasst werden. Diese Unterfinanzierung ist strukturell. Dafür müssen die Heime Lösungen finden.
Sie sprechen von einer strukturellen Unterfinanzierung. Können Sie das erklären?
Gewisse Tarife für Kosten, die das Gemeinwesen bezahlen muss, werden sehr langsam angepasst. Zugleich sind wir vor allem in den Bereichen Betreuung und Sozialpädagogik nach wie vor mit einem Arbeitskräftemangel konfrontiert, der die Löhne mehr als nur im Rahmen der Teuerung nach oben treibt. Das führt dazu, dass wir immer mehr in den roten Bereich rutschen – und zwar in allen Sparten, ausser bei den Sonderschulen.
Was kann die GHG dagegen unternehmen?
Wir sind kontinuierlich mit allen Leistungsauftraggebern im Gespräch. Zugleich überprüfen wir, wie erwähnt, immer wieder unser Angebot und die Qualität. Wir müssen nicht Gewinn machen, aber die Kosten decken. Nur so können wir auch die nötigen Investitionen tätigen. Solche sind etwa im Schulbereich dringend nötig. Das Recht auf Schulbildung ist in der Verfassung festgehalten. Aktuell fehlen jedoch im Kanton St.Gallen 150 Sonderschulplätze. Zugleich besitzt die GHG zahlreiche alte Liegenschaften mit Erneuerungsbedarf. Hier müssen wir zum Teil in die Vorfinanzierung gehen, dafür brauchen wir Kapital.
Sie haben es angesprochen: Die GHG verfolgt aktuell gleich mehrere Bauprojekte. Wie will sie diese finanzieren, wenn schon der Betrieb an strukturellen Unterfinanzierungen krankt?
Es braucht Überzeugungsarbeit. Es ist zu unterscheiden zwischen Betrieb und Investitionen. Die GHG ist nicht arm, und wir verfügen über eine gute Liquidität. Diese brauchen wir jedoch zwingend für den Betrieb. Wir zahlen jeden Monat rund 940 Löhne, über drei Viertel unseres Gesamtumsatzes von rund 70 Mio. Franken ist Personalaufwand. Für die baulichen Investitionen gewähren uns Banken dank unserer soliden Eigenkapitalquote und guter Bonität Hypotheken – und der Kanton bei Bedarf auch Darlehen. Trotzdem sind wir auf Spenden angewiesen. Diese investieren wir vollumfänglich in Projekte oder in Qualitätsverbesserungen für unsere Klientinnen und Klienten.
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