< Zurück

«Wir haben sehr viele sehr gute Leute»

April 2026 – Seit mehr als zehn Jahren leitet Patrik Müller die GHG mit grosser Hingabe. Im Februar wurde er 62. Für die letzten Jahre seiner beruflichen Tätigkeit hat er sich entschieden, etwas kürzerzutreten. Ende April 2026 gibt er den Vorsitz der Geschäftsleitung ab, tritt aus ihr aus und treibt in einer Stabsfunktion die Entwicklungsprojekte der GHG weiter voran.

Patrik Müller, sie haben die letzten Tage als Vorsitzender der Geschäftsleitung vor sich. Ab Anfang Mai werden Sie in einer Stabsfunktion die Zukunftsprojekte der GHG vorantreiben. Wie fühlt sich das an?
Ich hatte Präsident Heinz Loretini signalisiert, dass ich eine Entlastung wünsche, weil die letzten zehn Jahre sehr intensiv waren. Er hat das mit seinen Vorstandskollegen geprüft und mir diesen Vorschlag gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie lassen Sie los, um ins zweite Glied zu treten?
Aktuell kann ich erst sagen, wie ich mich darauf vorbereite. Meine Grundhaltung war immer: Ich bin entbehrlich, ich diene mit für eine grössere Sache. Ich bin froh, dass ich das weiter tun kann – aber ich muss nicht den Lead haben. Wir haben in der GHG sehr viele gute Leute, die sich mit viel Herzblut engagieren. Und ich freue mich privat, dass ich bald Grossvater werde – auch ein neuer Abschnitt und eine neue Verantwortung. Das Leben führt uns immer wieder durch Veränderungen. Diese gilt es offen und mutig anzugehen.

Ab Mai führt Ihr Stellvertreter Ramon Beerli die Geschäftsleitung ad interim bis zur Neubesetzung Ihrer Stelle, das Rekrutierungsverfahren läuft. Was möchten Sie Ihrer Nachfolgerin oder Ihrem Nachfolger mitgeben?
Ich habe volles Vertrauen in Ramon. Wir arbeiten seit über acht Jahren zusammen. Ich werde mich hüten, ihm oder einer anderen künftigen Nachfolge Ratschläge zu geben. Wenn Fragen auftauchen, warum etwas so ist, wie es ist, informiere ich die künftige Leitung gerne. Aber sie muss völlig frei sein in der Gestaltung der Leitungsaufgabe.

«Jedes Mal, wenn ich Klientinnen und Klienten treffen darf, ist das für mich der grösste Dank.»

Welche Ziele und Projekte stehen in Ihrem neuen Pflichtenheft?
Die GHG hat sehr viele Projekte. Einerseits sind es mehrere Bauprojekte – denken wir nur an das Wohnhaus in der Sonnenhalde, aber auch ans Riederenholz mit Kinderheim und CP-Schule oder die Aufstockung des Tandems in Abtwil und die Arealentwicklung im Tempelacker. Anderseits soll das Facility Management in den nächsten Jahren zentral organisiert werden. Wir werden gemeinsam definieren müssen, was ich alles übernehme. Ich werde mein Pensum auf 70 Prozent reduzieren.

Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurückblicken: Welches waren die wichtigsten Meilensteine für die GHG?
Ich glaube, wir haben sehr viel erreicht: einerseits die Reorganisation mit neuen Statuten und einer Zentralisierung der Führung, anderseits das grosse Wachstum, auch mit den neuen Institutionen GHG Maurini und GHG Riederenholz. Es zeichnet die GHG aus, dass sie jene Aufgaben wahrnimmt, die aktuell für die Gesellschaft und für den sozialen Zusammenhalt wichtig sind. Dies, indem sie Menschen mit besonderen Bedürfnissen unterstützt. Dahinter steht die Werthaltung, dass jeder Mensch einmalig ist und Respekt verdient. Diese Haltung macht für mich die GHG aus.

Sie geben zwar die Führungsverantwortung ab, wollensich aber in anderer Funktion weiter für die GHG einsetzen. Offenbar haben Sie Ihr Herz an die GHG verloren. Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Das ist ein grosses Wort (lacht). Das 200-Jahre-Jubiläum war ein toller Einstieg für mich. Das Arbeiten für die Reorganisation, der Austausch mit allen Anspruchsgruppen, immer wieder Strategien zu entwickeln für das bestmögliche Angebot für unsere Zielgruppen. Jedes Mal, wenn ich Klientinnen und Klienten treffen darf, von Kindern bis zu Seniorinnen und Senioren, ist das für mich der grösste Dank – die Bestätigung, dass Menschen auch mit Einschränkungen glücklich sein können

Auf welche Erfolge blicken Sie gerne zurück?
Auf unsere Leistungen als Team, wenn wir gemeinsam überzeugende Antworten gefunden haben. Etwa auf die einstimmige Verabschiedung der neuen Statuten. Auf alle Momente, in denen wir als Geschäftsleitung und mit dem Vorstand gemeinsam gute Lösungen gefunden haben. Wie schon gesagt: Ich sehe in der GHG sehr viele sehr gute Leute mit sehr hohem Engagement – da bin ich nur ein kleines Rädchen im Ganzen.

Welchen Herausforderungen wären Sie lieber nicht begegnet?
Covid-19 war vor allem für unsere Altersbetriebe sehr belastend. Aktuell beschäftigt uns die steigende Zahl der Sonderschülerinnen und -schüler im Kanton sehr. Aber Herausforderungen gehören dazu, und wir haben es immer wieder geschafft, Lösungen zu finden. Ich bin grundsätzlich ein zukunfts- und lösungsorientierter Mensch, der glaubt, dass es schon gut kommt.

Zum Schluss: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die GHG und für Sie selbst, welche wären das?
Für die GHG wünsche ich mir, dass unsere Klientinnen, Klienten und Mitarbeitenden glücklich sein und Erfüllung finden können in dem, was sie tun und leben. Und dass sie erleben: Die GHG nimmt sie ernst und fördert sie. Für mich selbst einerseits, dass ich meine Erfahrung und mein Know-how weiter in die Projekte einbringen kann, vor allem aber auch, dass ich gesund bleibe, Zeit für meine Familie und Freunde habe und mein Enkelkind aufwachsen sehen darf.